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Afrikafest im Augarten

„So hab ich das noch nie gehört“ – AFRIKA FEST IM AUGARTEN

Samstag, 9. Mai im Augarten. Strahlender Sonnenschein, fast sommerliche Temperaturen, ein Frühlingstag wie im Bilderbuch. Ideale Voraussetzungen für ein Fest, das Wien so noch nie gesehen und gehört hat.
Das Konzept:
Keine große Bühnentechnik, möglichst wenig 
„Frontalmusik“, direktes Musikerleben und vor allem musikalische Begegnungen abseits des gängigen „Festival-Zirkus“.

Hintergrund: Zahlreiche österreichische MusikerInnen waren bereits in verschiedenen Ländern Afrikas zu Gast. Allen voran, der Bürgermeister der Augartenstadt, Otto Lechner, der das Fest gut gelaunt und hochoffiziell eröffnete und die Gäste aus Zimbabwe, Zambia, Burkina Faso, Sansibar und Marokko willkommen hieß. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle sowohl an die Verantwortlichen in Linz, insbesondere an Peter Kuthan und Keith Goddard,  den Initiatoren dieser außergewöhnlichen Hörerfahrungen.  Sie ermöglichten, dass ein Grossteil der Musiker anschließend an das Projekt „Parade“ in Linz (siehe  www.linz09.at/parade-blog, www.linz09.at) auch noch in Wien spielen konnten.

Schon durchdrangen die schwere Trommel,  die Antilopenhörner und –pfeifen und die Blechrasseln die historischen Baumalleen des Augartens zum ersten Mal.  Dreißig Mitglieder der Gruppe Simonga + Maliko vom Volk der Tonga machten sich raschen Schrittes auf den Weg und zogen durch ihre polyrhythmische Ngoma Buntibe-Musik die Aufmerksamkeit auf sich. Schon zu diesem Zeitpunkt platzte der Gastgarten der Bunkerei aus allen Nähten. Was der guten Stimmung keineswegs Abbruch verlieh. Die davor liegende  Wiese bot genügend Platz für alle und für ein rasch improvisiertes Picknick.  Insgesamt drei Mal zogen die Tonga mit ihren Musikritualen durch den Park, teilweise verstärkt durch Lege Lege Foli u.a.

Auf der improvisierten  Bühne im Gastgarten formierten sich mittlerweile die Windhunde mit einer Reminiszenz  an die Tonga.  Allen voran Otto Lechner  und  Karl Ritter, dazu  Joanna Lewis, Melissa Coleman, Matthias Jakisic und Peter Rosmanith – sie alle ließen ihren Eindrücken freien Lauf.

Dann erfüllen die hölzernen schrillen Blasinstrumente von Siga und Semebuke aus Sansibar das Areal.  Schlangenbeschwörern gleich verwinden sie ihre Töne mit ihren Körpern . Ungeprobt und spontan gesellen sich Cornelia Pesendorfer mit der Oboe, Sigi Finkel (Saxophon) und Werner Puntigam (Muschel/Posaune) dazu und  versuchen auf die fremden Signale zu reagieren. Daraus entsteht gewiss einer der Höhepunkte des Nachmittags. Nie gehörte Blasmusik, rhythmisch, bezaubernd, fremd und nah zugleich. Staunender Applaus.

Dass der vage Zeitplan komplett durcheinandergerät und manche BesucherInnen auf bestimmte Programmteile warten oder sie bereits versäumt haben, dafür möchten wir uns entschuldigen. Aber Afrika ist bekanntlich anders. Der Augarten ist anders. Manchmal dauern die musikalischen Beiträge länger, andere wiederum sind kürzer. Versprochen: Falls es ein nächstes Mal gibt, legen wir keine Zeitpläne mehr auf.

Das Fest ist im Fluss. Slavko Ninić, ebenfalls vor zehn Jahren  Gast der Tongas in Zimbabwe, erinnert sich an die noch immer frischen Eindrücke. Seine alte Tschuschenkapelle, inklusive Franz Fellner und Haydar Sari, trifft die neue Generation. Auszüge aus dem alten und neuen Repertoire sorgen für einen abrupten Stimmungswechsel.

Schon wähnt man sich irgendwo am Balkan, als im Hintergrund  das berauschende Gurgeln der Balafone (Holz-Xylophon in Westafrika) des Ensembles Lege Lege Foli zu vernehmen ist. Zwölf Sembla-Musiker aus Burkina Faso spielen sich im Hinterhof mit Sigi Finkel ein, der sie bereits in ihrem Dorf besuchte. Mamadou Diabate, in Wien lebender Balafon-Meister, konnte dank einer Einladung der Kulturhauptstadt Europas  ein Balafon-Ensemble zusammenstellen, wie es die Welt vorher so noch nie gehört hat. Erstmals fanden die Diabates, Traores und Konates aus ihren Dörfern unweit der Stadt Bobo-Dioulasso in einer Art Orchester zusammen. Bereits in Linz eine musikalische Hörerfahrung sondergleichen, setzten sich auch im Augarten die Musiker mit ihren schweren Balafonen in Bewegung. Immer wieder innehaltend, die Positionen an den Holzstäben wechselnd, auf die tonangebenden Talking Drums reagierend, begeisterte das Ensemble schließlich durch eine schlichtweg atemberaubende Präsentation.  Glücklich all jene,  die diesen Momenten des virtuosen Xylophonspiels beiwohnen konnten.  Große Begeisterung.

Jalil Koddsi aus Marokko ist ein ständiger Grenzgänger zwischen Nordafrika und Europa.  Emil Gross, ein junger Gitarrist, besuchte ihn erst kürzlich unweit der Stadt Marakkesch. Im Quintett groovte er sich mit den marokkanischen Musikern zu den Trance-Rhythmen der Gnawa ein, bis abermals Otto Lechner und Karl Ritter die musikalischen Horizonte noch zusätzlich erweiterten. Dazu stieß dann plötzlich auch Kadero Rai, bekannt durch seine Kooperationen mit den beiden erstgenannten, und verlieh mit seiner Stimme dem ersten Afrika-Fest im Augarten abschließenden Glanz.

Für die meisten hätte es noch andauern können. Aber bekanntlich gibt es in Wien sehr strenge „Lärmschutz-Auflagen“  und zweitens soll Schluss sein, wenn es am Schönsten ist.  Die vielfach geäußerte Anregung, das Fest bei eventueller Wiederholung nicht im engen Gastgarten der Bunkerei sondern im Augarten stattfinden zu lassen (was immer eine Frage von Kosten und Kapazitäten ist), greifen wir gerne auf – bzw. leiten wir gerne an die Verantwortlichen in Stadt und Land weiter, bei denen wir uns zu guter Letzt für die Unterstützung dieses Afrika-Festes ausdrücklich und herzlich bedanken wollen!

Besucher: ca. 4.000 Personen (Zeitraum 14.00-22.00 Uhr)

Horst Watzl (für die Kooperationsgemeinschaft Afrika-Fest)


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Ein Kooperationsprojekt von:

Aktionsradius Wien, kulturen in bewegung/vidc, Windhundkultur, Arge Zimbabwe Freundschaft und Bunkerei Augarten

 

Wir danken unseren Förderern:

ADA / Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, Wien Kultur, BM:UKK

 

Kooperationspartner:

Bundesgärten, KulturKontakt Austria, Integrationshaus Wien, Linz09, Depot, Stift Melk, Kunst am Wachtberg, Schulen 2./20. Bezirk

 

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