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© Adrián Villar Rojas

Ausstellung: Adrián Villar Rojas – The Theater of Disappearance

13. Mai – 27. August 2017

Kunsthaus Bregenz

Karl-Tizian-Platz

6900 BREGENZ

»Adrián Villar Rojas beschert uns mit The Theater of Disappearance zum 20-jährigen Jubiläum im Sommer eine der eindrücklichsten und aufwendigsten Ausstellungen der KUB Geschichte.«
Thomas D. Trummer

Das Erdgeschoss bietet der Ausstellung von Adrián Villar Rojas eine vollkommen leere Bühne. Sogar der von Peter Zumthor eingerichtete Kassentresen wurde für diese Ausstellung entfernt. Durch die Fenster strömt farbiges Licht. Auf dem Boden ist die enorme, unüberblickbare Vergrößerung eines Bildes ausgespannt. Die Darstellung des Gemäldes Madonna del Parto (1450–1475) von Piero della Francesca wurde in Argentinien handgefertigt. Sie zeigt Maria unter einem braun-samtenen Baldachin stehend, gerahmt von zwei Engeln, die das kostbare, mit Pelz gefütterte und mit Granatapfelmotiven bestickte Zierdach öffnen. Mit der rechten Hand berührt Maria den Schlitz an der Taille ihres vorn geknöpften blauen Kleids. Das berühmte Gemälde zeigt die schwangere Gottesmutter, deren Blick trotz ihres freudigen Zustands ernst und verloren wirkt.

Adrián Villar Rojas arbeitet in größten Dimensionen. Seine Ausstellung hat bereits jetzt ihren gesicherten Platz in der großen Geschichte des Kunsthaus Bregenz. Selten wurden derart viele Materialien verarbeitet, selten so massiv Ressourcen in Anspruch genommen. Für das Kunsthaus Bregenz entwirft der Künstler einen vierteiligen Zyklus, eine Passage durch die Geschichte der menschlichen Kultur von ihrer Entstehung (Erdgeschoss) bis zu ihrer fragwürdigen Apotheose (3. Obergeschoss). Adrián Villar Rojas verwandelt das Kunsthaus Bregenz in einen Betonbunker, in dem die Kunstgegenstände letztlich gerettet werden.

Der 1980 in Rosario in Argentinien geborene Villar Rojas wurde durch ortsspezifische Arbeiten bekannt. Bei der Bienal del Fin del Mundo 2009 in Patagonien ist ein steinerner Wal in einem Wald gestrandet. Die herabfallenden Blätter färben die Skulptur im rauen Herbstwetter rostrot. Erschütternd ist der Eindruck, einen vernarbten Zeugen aus dem Ozean an einem verlassenen Ort im äußersten Süden der Welt vorzufinden. Für die Biennale in Venedig errichtet Villar Rojas 2011 einen Wald aus steinernen Geschöpfen, die wie Säulen bis an die Decke reichen. Menschen müssen sich ihren Weg zwischen diesen surrealen Gebilden bahnen, die halb Knochen, halb monströse Maschinen darstellen. Villar Rojas schafft fantastische Landschaften, die assoziativ in die Tiefen der Evolution hinabtauchen. Er denkt in erdgeschichtlichen Zeitaltern, Urgeschichte und fernste Zukunft werden in seinen düsteren Raumbildern einander ähnlich.

 

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