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© Alfoz Tanjour 2014

International Human Rights Film Festival this human world 2016: far away | so close

3. – 10. Dezember 2016

Top Kino / Schikaneder

Rahlgasse 1 / Margaretenstraße 22-24

1060 WIEN / 1040 WIEN

 

far away | so close


kulturen in bewegung zeigt im Rahmen des International Human Rights Film Festival this human world (1. – 11. Dezember 2016) vier Filme, die, von dokumentarisch bis experimentell, Krieg als gemeinsamen historischen Ausgangspunkt haben. Auf verschiedene Weisen wird dabei die paradoxe Gleichzeitigkeit von Krieg und Frieden, Nähe und Distanz, Heimat und Fremde verhandelt. Far away so close, so nah und doch so fern ihrer alten Heimat, befinden sich viele Menschen, die ihr Herkunftsland verlassen mussten. Dennoch tragen sie die Erinnerungen daran oft nah bei sich und als Stück ihrer Identität in der Fremde. In den Filmen gibt es kaum historisches Material vom Krieg, vielmehr wird mit Leerstellen gearbeitet, die das Publikum selbst handelnd füllen soll. Gezeigt werden verlassene Häuser, alte Erinnerungsstücke, das Banale im Bösen, der Alltag inmitten des syrischen Krieges sowie historisches Kinomaterial, das die Zuschauer_innen anregt, ihre Assoziationen spielen zu lassen.

As part of the International Human Rights Film Festival this human world (1–11 December 2016) kulturen in bewegung shows four films, ranging from documentary to experimental, that all have the same historical background referred to explicitly or implicitly–war. The paradoxical simultaneity of war and peace, closeness and distance, home and the foreign is dealt with in all films differently. Almost no historical footage of war is shown, rather pictures of abandoned houses, old memorabilia, and everyday life in the middle of the Syrian war.

Those Shocking Shaking Days

Samstag, 3.12., 15:00, Top Kino Saal 1
Selma Doborac
Dokumentarfilm AUT/BIH 2016
88 min OF Deutsch

Eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Darstellbarkeit grauenhafter historischer Ereignisse. Mittels im Filmbild eingeblendeter Texttitel stellt die Filmemacherin lange rhetorische Fragen an das Publikum, in denen es, unter anderem, um die mediale Vermittlung der Wirklichkeit von Gräuel am Beispiel des Bosnienkrieges geht. Die Bildebene zeichnet sich durch die Abwesenheit der sonst in Filmen über das Thema Krieg üblichen Sujets aus. Ein dokumentarischer Essayfilm, der gewohnte Wahrnehmungsmuster in der massenmedialen Rezeption kriegerischer Konflikte aufbricht.  (EB)

Selma Doborac’s documentary essay film wrestles with the representability of atrocious historic events focusing on the Bosnian war. The text titles, which are superimposed into the film image, are addressing the audience directly and thereby are questioning the problematic medial reception of that war and the textual representation of war in general.

 

In Anwesenheit von Selma Doborac im Gespräch mit Georg Wasner

 

Unten (Down There)

Dienstag, 6.12., 20:30, Schikaneder
Mittwoch, 7.12., 19:00, Stand 129

Djordje Čenić, Hermann Peseckas
Dokumentarfilm AUT 2016
87 min OmdU

„Unten“ ist für viele Gastarbeiterfamilien im deutschsprachigen Raum Bosnien, Kroatien, Serbien, Herkunftsland, identitätsstiftender Bezugspunkt, Heimat, Ex-Jugoslawien, kultureller Background, Reisedestination, Kriegsregion und mehr. Djordje Čenić unternimmt mit Aufnahmen der Familienkamera und aktuellen Zeugnissen von Orten, Menschen und Erinnerungsstücken eine Reise in seine Vergangenheit als Gastarbeiterkind in Linz bis heute. Seine österreichisch-kroatische Herkunft dient als Ausgangspunkt für eine politische und persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. (EB)

Djordje Čenić takes a tour into his past, from being the child of a guest worker family in Linz to present day, trying to find home somewhere between Croatia and Austria. With shots from home videos and current places, people and memorabilia, he traces his search for identity.

In Anwesenheit von Djordje Čenić im Gespräch mit Djamila Grandits

 

Faraway… So Close to the Homeland

Donnerstag, 8.12., 16:00, Top Kino Saal 1
Alfoz Tanjour
Dokumentarfilm LBN/JOR/TUR 2014
61 min OmeU

Der aus Syrien stammende Dokumentarfilmer Alfoz Tanjour porträtiert zehn Personen, die wie er im beginnenden Chaos des Krieges das Land verlassen mussten. Außerhalb Syriens, in der Türkei, im Libanon und in Jordanien, nah an den Grenzen des Landes und doch so fern, warten sie darauf, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Mut und Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Zuversicht, Aktivismus und Schockstarre liegen oft so nahe beieinander wie Heimatland und Exil. Trotz Trauma, Aussichtslosigkeit und dem Leben in der Fremde geben sie nicht auf, für ein freies demokratisches Syrien zu kämpfen. (EB)

Outside of Syria, in Turkey, Lebanon and Jordan, so close to the homeland’s border yet so far away, Alfoz Tanjour portrays Syrian refugees who are waiting to return to their country. Though traumatized, alienated and often hopeless, they continue to fight for a free, democratic Syria.

In Anwesenheit von Alfoz Tanjour, Maher Jamous im Gespräch mit Magda Seewald

 

Houses Without Doors (Manazil bela abwab)

Samstag, 10.12., 18:00, Top Kino Saal 1
Avo Kaprealian
Dokumentarfilm SYR/LBN 2016
90 min OmeU

Entfernte Schüsse, Detonationen, Rauchwolken: Vom Balkon der elterlichen Wohnung dokumentierte der 1986 geborene Syrer Avo Kaprealian den Wandel von Aleppos Viertel Midan angesichts des herannahenden Bürgerkriegs. Auf explizite Gewaltdarstellung verzichtend, vermittelt sich die Situation der Betroffenen vorwiegend über den Ton und symbolische Kriegsbilder, über die Montage von Alltagsaufnahmen, Propagandasendungen, Archivmaterial und surrealen Spielfilmsequenzen. Ein experimentelles, subversives Home Movie aus dem Zentrum des Krieges, das eine andere Geschichte schreibt als die mediale Kriegsberichterstattung: die Geschichte eines um Freiheit, Sicherheit, Leben und Heimat beraubten Volkes. (MK)

From his parents‘ balcony in Aleppo‘s Midan district, a young man captures Syria‘s approaching civil war gradually consuming his city. Instead of jarring pictures of media war coverage, this experimental and subversive home movie tells the story of a people stripped of their freedom, safety, life and home.

 

Festivalprogramm

 

Flyer